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2000

Zwei Bühnen in der Flora mit einem parallelen Programm? Warum eigentlich nicht. Normalerweise wirbeln sie auf den Brettern der Kölner Karnevalsbühnen. Doch mit ihrer allerersten Mottositzung ging die Tanzgruppe Kammerkätzchen und Kammerdiener der KG „Schnüsse Tring“ ganz neue Wege.
,,So haben wir gleich einen richtigen Zug in der Sitzung, es geht sozusagen Schlag auf Schlag. Ist die Nummer auf der einen Bühne beendet, geht es gleich auf der anderen Seite weiter“, erklärt der stellvertretende Tanzgruppenleiter Axel Busse.

Stimmt: Denn Wartezeiten, die die Musikgruppen beim Aufbau von Verstärkern und dem Anschluß von Kabeln benötigen, entfallen bei dieser Sitzungsvariante. Außerdem kommt auf diese Weise sofort Bewegung in den Saal – denn „um das Schauspiel zu verfolgen, müssen sich die Gäste immer wieder drehen“, so Busse. Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: Schlechte Plätze gehören jetzt der Vergangenheit an. Denn jeder sitzt mal hinten und mal vorne, je nachdem vor welcher Bühne er plaziert ist.

Zeit für lustige Zwiegespräche von „Bühne zu Bühne“ nahmen sich auch die beiden Moderatoren Tanzgruppenleiter Jörg Orth im Mauskostüm auf der einen und Oberkammerdiener Ralf Knappe als fesche Alpenzenzi auf der anderen Seite. „Tut mir leid, daß wir uns den Saal mit den Buure dort hinten teilen müssen. Schaut lieber zu uns, da findet das knackigere Programm statt“, witzelte mal der eine, mal der andere.

„Loß mer fiere wie die Buure“ lautete das Motto – und das Publikum nahm das Experiment begeistert an. „Die haben mich ja fast rausgeklatscht. Ist das ein Wahnsinn“, staunten selbst so gewiefte Karnevalisten wie „Werbefachmann“ Bernd Stelter. Die Blauen Funken hatten sogar einen nicht unterschätzenden Vorteil. Während der Regimentsspielmannszug zur „feschen Zenzi“ auf die Bühne zog, wirbelte das Tanzpaar bei den „Buure“ über die Bühne. Und auch Krageknöpp, Räuber, Botterblömche und Paveier ließen sich von der Stimmung im Saal so richtig treiben.

In einer eigens für den Abend hergestellten kleinen Zeitung, dem „Dachhaas“, hatten die Kammerkätzchen und Kammerdiener das Prinzip der „neuen“ Veranstaltung erklärt und die Gäste gebeten: „Lebt unser Motto für den heutigen Abend so richtig aus. Übrigens, für alle Imis: „Dachhaas“ bedeutet op kölsch Katze -Kammerkätzchen eben.

Bei der Familiensitzung am 6. Februar 2000 war hoher Besuch zur Schnüsse Tring gekommen: Festkomitee-Präsident Hans-Horst Engels führte feierlich Dieter Kaspers in sein neues Amt als Präsident ein – mit Präsidentenkette, -pritsche und -mütze. ,,Manchmal können diese Insignien schwer auf den Schultern liegen. Doch ich hoffe, daß Dir die Schnüsse Tring immer genügend Unterstützung gibt“, so Engels.

Die Jugendtanzgruppe von Kammerkätzchen und Kammerdiener wurde übrigens nach dem Rücktritt von Gruppenleiter Harald Kaspers von Uli Adrian und Michael Laase kommissarisch geleitet. Nach der Session übernahm Jörg Orth die Leitung über beide Tanzgruppen.

Ein eindrucksvolles Kapitel Karnevalsgeschichte ging bei der Freitagsitzung am 3. März 2000 zu Ende. Oberkammerkater Heinz Holter trat nach 18 Jahren von seinem Amt zurück. In einer Szene der Kammerkätzchen-Polka stemmte er jahrelang – und das in der Regel mehrfach am Abend – gleich drei Tänzerinnen in die Höhe. Ein karnevalistischer Kraftakt, den ihm bislang niemand streitig gemacht hat. Doch: Es wird Zeit, daß Jüngere in den Vordergrund treten“, hatte Heinz Holter vor der Session entschieden. Seine Kammerkätzchen und Kammerdiener und natürlich die Schnüsse Tring bereiteten ihm einen würdigen Abschied. BDK-Präsident Franz Wolf ehrte ihn mit dem BDK-Verdienstorden in Silber, Präsident Dieter Kaspers überreichte ihm die höchste Auszeichnung der KG, die Dankmedaille in echtem Sterling-Silber. Und Tanzgruppenleiter Jörg Orth ernannte ihn zum Ehrenoberkammerkater – mit der Tanzgruppe, der Jugendtanzgruppe, den Lyskircher Hellige Knäächte und Mägde und den Rheinmatrosen als lebendes Bühnenbild im Hintergrund. Einen Wunsch Holters wird ihm die Tanzgruppe übrigens gerne noch erfüllen: „Meine Tanzkarriere möchte ich gerne in der nächsten Session ganz beenden – und zwar so, wie sie begonnen hat: als ganz normaler Kammerdiener in schwarzweiß gestreifter Weste.“ Ein freiwilliger Rücktritt ins zweite Glied also – das ist nicht unbedingt üblich im kölschen Fasteleer.

Sonntag, den 28. Mai 2000 beim 19. Familientag am Schnüsse Tring Brunnen erlebten die Besucher und anwesenden Mitglieder ein geschichtliches Ereignis. Präsident Dieter Kaspers war es gelungen zu diesem Anlaß einen Ratsbeschluß zu erwirken. So wurde in Anwesenheit von unserem E.M. und 1. Bürgermeister (heute O.B.) Fritz Schramma und dem Bezirksvorsteher von Ehrenfeld Josef Wirges, dem Festkomitee-Präsidenten Hans Horst Engels mit einigen Vorstandskollegen und unserer Geistlichkeit E.M. Pfarrer Ernst Fey und E.M. Pastor Josef Embgenbroich, der Platz auf dem unser Schnüsse Tring Brunnen seit 1982 steht, nach dem Texter und Komponisten des Schnüsse-Tring-Liedes „Joseph Roesberg – Platz“ benannt. Damit hat die Gesellschaft gleichzeitig für die Geschichte Kölns einen wichtigen Beitrag geleistet. Die postalische Anerkennung des Platzes erfolgte jedoch erst am 25. Oktober 2000. Von jetzt an heißt die Adresse der Ev. Kirche Dreifaltigkeitskirche am Joseph Roesberg – Platz Nr. 1, 50827 Köln.

Am 1.11.2000 erstrahlte ebenfalls das Grab von Joseph Roesberg wieder in seinem alten Glanz. Auch Herr Wolfgang Oelsner kann bei seiner Begehung des kölschen Geschichtspfades über den Friedhof Melaten mit Freude sagen, daß der Geschichtspfad durch die Restaurierung und Wiederherstellung dieses Grabes aufgewertet wurde.

Wir, die „Alte Kölner Karnevalsgesellschaft Schnüsse Tring 1901 e.V.“, haben damit zu Beginn unseres 100jährigen Jubiläums einen wichtigen Beitrag geleistet.